abstand

strecke ich die hand
aus
streckst du die hand
aus
breiten wir die arme
aus
anstand dem abstand
gegenüber


er

er

um seinen Hausstand trauernd
hängt am
Brustbeutel
noch dran


hat die Tür aufgelassen
und ist zum Erstgespräch


zu früh
ausgestiegen


bordrestaurant

Am Bahnhof beginnen die geraden Schienen
durchs leere Genland ziehen
nur Beton ungewaschen
zwei Zwetschgenbäume auf dem Weg
faulend, zertreten ihre Früchte
zersetzende Vorkreisgeschichte
wer da zieht, wird gefasst
feuchte Hände in Hegyeshalom
stumme Blicke auf die blau-grünen Polster
und Wasser und keine Worte dafür
geordneter Ausbruch aus der Regelhaftigkeit
die nicht verlassen werden kann
wie die Haut wie die Karten wie das Bordrestaurant


Bananen für Borna

An die Brücke kommen die Samen geweht
Klatschmohn, Klee, der letzte Raps
vom Balkon geht der Blick fern
Waldrand und Bananenreiferei
Grün durch Ethylen zu Gelb
nach tausend Seekilometern
die Veredelung erfolgt am Standort
der Konsumenten, vom Standpunkt
der Konsumenten: gut, weil frisch
die Schalen wie glattes Plastik
steriler Fruchtkörper, liegt gut in der Hand
macht
mehr Bananen für Borna


flugwund

die Welt
hier, auch die Deine
dreht auf Reinweiß
mit ihren Wolkenbändern
in einer Augenhöhle,
unsern Vers um, Universum

pocht die Stirn Dir
unter der Nasskappe
Jetset vor den fließenden Strömen

alles zu vergessen,
gebrochen auf dem Spülstein
in einer Hand
sind Blumen zu weiß
zu wechseln zu blau
in Deine

Schritte schlagen Herzschläge, schlagen
oder auch Sekunden, flugwund
schlagen wir an, Gebote aus, im Takt
Sechzig zu Einzig, Keramik, Glasur

der beste Platz für im Fremdkörper
die Mundhöhle


Arbeit

Der Vogel ist zum Fliegen gemacht zum Wegfliegen
muss arbeiten während des Vogelflugs
beobachte nur ihre Muster am Himmel
bevor der Blick wieder zu den Zahlen geht
muss arbeiten bis der Vogelflug fertig ist
muss arbeiten bis die Arbeit fertig ist
bis alle Vögel im Süden sind
weiß nicht was die da machen
muss doch arbeiten währenddessen
bis die Vögel zurück sind
bis die Arbeit fertig ist
weiß ich nicht was Arbeit ist


someday

Someday I‘ll wish upon a star

Der Rohölglanz auf Wasserfläche
schlägt Kreise, Pfauenfedern, Teer
wie Regenbogen
somewhere over
way up high
am Spiegel hier zum Ring gedoppelt

Muster, Form, Dir klar konzentrisch
ablaufend vom Aufprallpunkt eines Steins
zum Rand fort eilend
das Ufer anschlagend, nachdem alle Tropfen
eingefallen sind
schreien Kinder, wachsen heran
There‘s a land that I heard of once in a lullaby

Hier
während der Brocken sinkt
mit seinen Schichten Sandstein
hinab zum Grund
in Schlick mit fahlem Grün, Türkis
zwei Körper hoch und aufrecht unterm Wasser
darüber keine Hüttensänger
Adler kreisen
Why then, oh, why can‘t I?

Sieben Seen
Zieht Wind auf an diesem
und Zweige nieder
drückt sie und reißt Knospen fort
fast lautlos in der Flugbewegung
der weiten Flügel
wachsam gleitend über Land
geschaut, erfasst und abgetastet
zurückgefunkt und nie verhandelt
gerichtet hier
mit feinen Gläsern Wärme suchend
Where troubles melt like lemon drops

von Ahnung hier zu Zielen
Vorahnung nutzlos, eine Nation unter Gott
alles andere schutzlos
skies are blue
unter blauem Himmel

Sommertag
Kondensstreifen
sind Cirruswolken
noch nicht einmal ein Pyrrhussieg
And wake up where the clouds are far
behind me

That‘s where you‘ll find me
wider die Natur
wider besseres Wissen
dem Vorbehalt von Unschuld
wider
und wieder am See wo Fremde sich treffen
fällt mehr als Licht durch die Wolken
And the dreams that you dare to dream
really do come true


happyend

Ich habe alle Kassetten durchgehört
beschriftet
und einsortiert
da war nichts dabei

immer nur Fluggeräusche im Hintergrund

lose Bretter
dann ein Sprühregen
direkt in die Felder hinein

scootern wir
aufeinanderknallen
in rot in blau in grün
blitzen wir
ineinandergreifendes Verhalten
an die Wand gefahrener Körper
hastig so bist du mit mir
und ich mit dir

Im Wald Aufschüttungen
wo gebaut werden soll
oder direkt in die Felder hinein
Aushub
Abendlicht durch das Wolkenmassiv
Rezitativ so war es früher
die Gräserlinie angekaut
grünverhangen

Flugzeuge
eine Ahnung


verschieden

wie belastbar
ist die sprache
wenn veschieden
anders bedeutet
und auch tot?


forsten

das gedicht steht auf der lichtung
eine atemlänge voraus
durchaus kein wald
keine bäume
schwarze masten
(segelfrei)
vokabelstürme
wie oberlandleitungen
ragen hier in den himmel
(funkenflug in brückenspannung)

langsam dreht die versform kreise
(duckt sich weg)
blickt sich zaghaft selbst
hier hinterher

für diesen abschuss gibt es weder strafe noch prämie
„bloß zwischen die augen wär schon schön
des anstands wegen“

ist das zurstreckebringen hier
der richtige zugang
blattschuss nicht auch an die wand
stattdessen auf die seite
(um die ecke)

wann findet sich rhythmus in den lebensumständen
und ziehen wir mit worten wirklich
nur linien nach
die wir schon zuvor gesehen haben

wie das bogenschießen ist das leben
eine disziplin der wiederholung
(und fangleinen surren durch die luft)
im text sind abweichungen erlaubt


anrichte

ein Wasserglas voll Teer
auf der Anrichte
neben einer Vase
mit Schnittblumen
und kniend ein Lächeln
mit weißen Zähnen
dahinter


gestern

An der Scheibe ein Hauch
noch dageblieben

Lippen wie Glas
gesprungen
innerhalb der Melodie
zum tanzen
alles durcheinander getrunken


volles Glas
in der Nacht
Flaschen weggebracht
zwei Tage später


geraden

zwei Parallelen werden sich schneiden
in der Unendlichkeit
zwei Parallelen werden sich schneiden
in der Unendlichkeit

beide Augen weit
geöffnet beide
Blickachsen schneiden
sich im Gegenüber

Silberblick
Platinblond
Goldzahn
Spatz auf der Hand

ich kenne sehr viele Menschen
ich habe beschlossen
sie nicht länger zu treffen

wenn es dunkel wird
werde ich nachtblind
auf einem Auge
meist ist es das rechte


komm

unlängst im herab
fallen streifen finger
handbreit über holz

die augen endlich abgeschlossen
mit lidern ohne chor
und schlaff der mund im schlaf geöffnet

sagt einer „komm“
schon und zuckt die schulter
beim herabsteigen einer kleinen leiter

schritt
hier wird es offenbar
diese liebe hat ihr ende


verrückt

Holt sein Auto einfach
und parkt
es um

Während im Inneren noch gerechnet
wird im Zelt Gymnastikgruppen machen sich warm
bewegt addierend
auf höchstem Niveau kann alles rechnend gestaucht gedehnt
und gestreckt werden keifend gerätetreu Stangen
verdreht an der Kletterwand abgeprallt Füße im
Weichmattenboden angekommen dellentief rundet ab
ein Ball in der Luft hängengeblieben zum auffangen
dann der nächste schon aus der Maschine geworfen
verfängt sich
vom Netz abgeleitet

verfehlt
ausgedrehtes Bein
gepresste Achseln
verwundert
mich nicht

lässt sich
noch potenzieren

Steige dann doch
ins Auto ein


ansammlung

Ansammlung

Zwei Fahnen
eröffnen Weite.
Deine blonden Haare ausgelegt
auf dem Parkplatz
fallen hin zur Sommerzeit.

Wenn alle frei haben
sich einstimmen

dann
schneller fahren unter der Erde
dorthin wo am wenigsten zu holen scheint
wo Hallen blank liegen
auf großzügig angelegten Flächen
(Pflasterrapport)
wo Zeit überhaupt keine Rolle mehr spielt
dort
dürfen wir
Muster ablaufen.

Der Horizont niederschwellig
fängt uns auf.

Nervöse Charaktere
tragen auf
gruppieren Ansammlung
auf Pflasterwaben
endlos
bis ins Wolkenbild.


tanzboden

schuhspitzen
die formationen
in den tanzboden
eingeben

inventur
figuren
in ballonseide
und offen wehende jacken

der aufstieg
ist in jedem fall
voraussetzung

duckst dich nur weg
unter der handkante
braue, salut

beifall vorab hier
kopf an kopf

der griff in die jackentasche
jagt das telefon aus seinem bau

ein faden
aus dem labyrinth-
thesaurus


see

tausend tropfen unter dem radar
schon wieder nebel auf der seenplatte

aus dem blick verloren
mit dem kopf zusammen
in dem die augen stecken
wie eingeschlagene kugeln

rücken sich bilder gerade
verkantet
meer
die stille see
im horizont wie eine axtklinge

der spiegel beschlagen
und staubspuren auf dem silbertablett
in kleiderresten hingeworfen

nach hinten gefallen im sinne von
schwer nach hinten im sinn

„der schlagbaum ist ein forstschaden für wegezoll
aus der zeit bevor die falter aufhörten lavendel zu lieben“

windgeräusche
in flatternden planen weiß
unter dem roten staub
dieses bodens

wüstes planspiel einer luftbewegung
im aufwind
unserem zugriff
entwunden

hier ganz am rand
leg’ ich als kranz
den depressiven formenkreis
dir nieder


:)

auf ein A
auf ein B
auf ein C
auf ein D
auf ein E
auf ein F
auf ein G
auf ein H
auf ein I
auf ein J
auf ein K
auf ein L
auf ein M
auf ein N
auf ein O
auf ein P
auf ein Q
auf ein R
auf ein S
auf ein T
auf ein U
auf ein V
auf ein W
auf ein X
auf ein Y
auf ein Z

kann man sich
nicht verlassen.


aus

ein letztes Geleit
über einen Rasen
der den Winter
noch in sich hat

unter Zweigen noch Zweifel im Grün
das Loch kreisrund ist vorgeschlagen
sich darin niederzulassen

zum Verweilen
die Frage ist Warum


violett

01 violett dumpf rot zäh fließend teer 13
02 blume violett blüte blatt weiß versinkt 12
03 teer blut violett rost dunkel teer 11
04 warm blut hand violett warm kalt 10
05 dunkel arm sinkt tief violett teer 09
06 schwarz warm salz weiß fest violett 08
violett über trocken haut teer stumpf tot violett
08 blass warm tief krampf durch violett 06
09 kampf unter tief blut violett teer 05
10 punkt stumpf rot violett warm tot 04
11 tot zeit violett schwarz grund total 03
12 teer violett schluckt schwarz spiegel blind 02
13 violett warm ganz teer salz stumpf 01


p o v

den Fakten nach wäre man, eigentlich,
a person of power.
dem entgegen steht
das eigene Erleben


Sand

die Hälfte des Jahres ist bereits
abgelaufen wie eine Runde auf dem Ascheplatz

der Staub schichtet sich nur um in der Stadt
der Wind in den Wäldern ist täglich ein anderer

kein Luftzug hier
nur Lichtbündel tanzen Wegstrecken ab

die Worte in denen wir sprechen
liegen schon in tiefem Schlaf

alle Tore aufgerissen
wie der Schädel eines Unfalltoten

vom Weiß der Zähne prallt Neonlicht
genauso schnell wie jedes andere auch

die Sonne ist leer
eine Frequenz im Radio

wir können jeden Stein so lange drehen
oder in kleinere Stücke schlagen

bis Sand verbleibt
und niemals Wind


beklemmung

der Arm in den Ärmel gesteckt hält sich daran
äussere Zwänge halten wir aus
innere Zwänge zeigen wir an
ein Geländer führt hinaus


nachtzug

Es gibt bald keine Nachtzüge mehr,
nur noch solche, die mit
Gütern nachts
durch die Täler stottern
keine Scheibenbremsen
keine Plastikcroissants
am Morgen serviert
von einem zerknitterten Begleiter.
Nur Autozulieferer, die
Dichtungen ordern,
am Morgen im Werk entladen
sie müde die Waggons.
Aufs Fließband mit den Dichtungen
ins Automobil mit ihnen
schläfrige Augen im
Kunstlicht der Stadt.
Vom Band in Plastik gehüllt
auf den Zug in die
Verkaufsstätte, dort warten
geparkt.


licht schwarz zukunft

Licht zerstaucht – Kurven, Geraden
auf kleinem Raum – fortan & Ende
Glasfieber fern – Punkt, Wurf, ausgesetzt
gebrochenes Bündel – Handwarm, aus & an
rotes Licht um Kurven – Vene hin zum Herzen
lenkend, in Sicherheit – wähne Dich und wieder weg
Anwesen flackern in Abwesenheit – Arterie, Puls, Schlag, Sekunde
geht aus verworren – Bündel, Fächer, Knolle
rettender Kniefall – Sturz in Deckung
jetzt & hier – Intervalle kurz
und Ende nah – Plastiktüte, bug out bag
Paracord & Nylon – Geister, schwarz & voll Funktion
das Auge soweit Dunkelheit – hier heut ist bloß Zukunft


miteinander zutun haben

Gefühle
beim
bloßen
Reinhören

Gesichter
veröffentlichen sich
zueinander
Reden
einander
gut zu
Körper
baden
Belangloses aus
treten gemeinsam
auf

vor Publikum